Donnerstag, 4. August 2016

Buchtipp: Susan Kreller - Elefanten sieht man nicht

Ich möchte hiermit vorweg betonen, dass dies keine (meiner) klassischen Rezensionen ist, wie sie auf meinem alten Blog erschienen sind. Es nennt sich Buchtipp und das ist es auch. Ein Tipp.

Elefanten sieht man nicht



Autor: Susan Kreller
Titel:
Elefanten sieht man nicht
Genre:
Jugendbuch
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Seiten:
208
Verlag: Carlsen
Veröffentlichung: 18. Dezember 2015 (TB)
ISBN: 978-3551314581
Preis: 6,99 Euro







Klappentext: Irgendetwas ist seltsam an Julia und Max, das findet Mascha von der ersten Sekunde an. Und dann sieht sie, dass Julia überall blaue Flecken hat, richtig große. Als Mascha schließlich eines Tages auf der Suche nach den beiden vom Garten aus einen Blick in ihr Haus erhascht, ist ihr klar: Sie muss ihnen irgendwie helfen. Aber wie, wenn keiner der Erwachsenen ihr zuhören will?
Mascha hat eine verhängnisvolle Idee - aber manchmal ist es besser, etwas Falsches zu tun, als gar nichts.  (Quelle)


  • Ich persönlich mag schon den Titel, denn er trägt schon so viel in sich. "Elefanten sieht man nicht". Gerade die großen Dinge, die Dinge direkt vor deinen Augen. Gerade diese Dinge übersieht man. Weil man sie nicht sehen will, weil sie nicht hierher gehören. Wenn da jetzt ein Elefant durch dein Wohngebiet läuft, willst du ihn auch nicht sehen. Er gehört nicht hierher und du müsstest dich jetzt mit ihm beschäftigen.
  • Die Geschichte wird aus Maschas Perspektive erzählt. Sie ist 11 Jahre alt und hat auch ihr Päckchen zu tragen, da ihre Mutter verstorben ist und ihr Vater nur unzureichend für sie da ist. Den Sommer verbringt sie bei ihren Großeltern und dort lernt sie Julia und Max kennen. 
  • Die beiden Kinder sind von Anfang an irgendwie komisch. Reden wenig oder reden komische Dinge. Als Leser weiß man schnell - auch ohne Klappentext - das etwas im Argen ist. 
  • Es ist bitter zu lesen, wie die Erwachsenen reagieren, als Mascha von dem erzählt, was sie gesehen hat - blaue Flecken, Kinder, die an Wände geschleudert werden. "Du weiß, dass das anständige Leute sind. Alle hier wissen das. So was passiert hier einfach nicht" (S. 40). Aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, ist das die Reaktion, die man auch tatsächlich erwartet. 
  • Maschas Lösung ist nicht perfekt. Sie ist sogar ziemlich katastrophal. Zunächst habe ich mit dieser Entwicklung der Geschichte gehadert. Aber das Mädchen ist selbst erst elf Jahre alt. Da kann die Lösung nicht perfekt sein.
  • Mein Hadern entstand wohl dadurch, dass der Roman aus der Perspektive einer elfjährigen geschrieben ist und dabei (trotzdem) einen recht hohen sprachlichen Anspruch verfolgt. Man erwartet dann mehr von einem Kind: "und [ich] wurde stattdessen von meiner eigenen Wut aufgefressen. Diese Wut war so groß, dass sie meine Ohren dröhnen und mein Gesicht brennen ließ; sie kletterte in meinen Rachen und verwandelte sich dort in lauter verschluckte, nicht geweinte Tränen." (S. 140)
  • Das Buch ist nicht nur für Jugendliche. Jugendliche sollten mit der Geschichte nicht allein gelassen werden. Ich kann es mir auch gut als Schullektüre vorstellen. Und als Buch für Erwachsene, die dadurch vielleicht lernen, den Kindern wieder mehr und besser zu zuhören.

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